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Tattoo-Wissenschaft · 5 Minuten

Was passiert eigentlich beim Tätowieren?

Oft heißt es, die Tätowiernadel mache nur ein Loch und ein Vakuum sauge die Farbe in die Haut. Das ist ein anschauliches Bild, wissenschaftlich aber zu stark vereinfacht: Die Nadel ist mit Farbe benetzt, öffnet sehr schnell winzige Stichkanäle und Pigment gelangt durch das Zusammenspiel von Nadelbewegung, Flüssigkeit und Kapillarkräften in die Dermis.

Die Nadel ist keine Spritze

Eine klassische Injektionsnadel besitzt einen Hohlraum, durch den Flüssigkeit gezielt abgegeben wird. Tätowiernadeln sind dagegen massive Nadeln oder Nadelgruppen. Sie werden mit Tattoo-Farbe benetzt und bewegen sich sehr schnell auf und ab.

Bei jedem Einstich durchdringt die Nadel die Oberhaut und erreicht die darunterliegende Lederhaut, die Dermis. Dabei entstehen mikroskopisch kleine Verletzungen und kurzzeitig offene Stichkanäle.

Wie kommt die Farbe in den Stichkanal?

Die an Nadel und Nadelmodul anhaftende Flüssigkeit trifft direkt auf den geöffneten Stichkanal. Forschung zu den Strömungsvorgängen beim Tätowieren beschreibt Kapillarwirkung beziehungsweise kapillares Eindringen als wichtigen Mechanismus: Flüssigkeit kann aufgrund ihrer Oberflächenspannung und der Wechselwirkung mit den engen Gewebespalten in den Kanal gelangen.

Ein echtes Vakuum, das die Farbe wie ein Staubsauger in die Haut zieht, entsteht dabei nicht. Auch die verbreitete Aussage, die Nadel „injiziere“ Farbe wie eine Spritze, ist technisch ungenau. Wie groß der Anteil einzelner mechanischer und strömungsphysikalischer Effekte ist, wird weiterhin erforscht.

Was bleibt in der Haut?

Ein Teil der Pigmentpartikel wird in der Dermis zwischen Gewebestrukturen abgelagert. Zugleich reagiert der Körper auf die vielen kleinen Verletzungen: Blutgerinnung und Entzündungsreaktion setzen ein, und Immunzellen wie Makrophagen nehmen einen Teil der Pigmente auf.

Während der Heilung wird ein Teil der oberflächlichen oder überschüssigen Farbe wieder ausgeschieden beziehungsweise abtransportiert. Ein großer Teil der schwer löslichen Pigmente bleibt jedoch in der Dermis – frei im Gewebe, in Zellen oder an Gewebestrukturen gebunden – und bildet das dauerhaft sichtbare Motiv.

Warum Technik und Tiefe wichtig sind

Arbeitstiefe, Geschwindigkeit, Hautspannung, Nadelkonfiguration, Farbeigenschaften und die Beschaffenheit der jeweiligen Haut beeinflussen gemeinsam, wie gleichmäßig Pigment eingebracht wird.

Zu oberflächliches Arbeiten kann zu lückenhafter oder schneller verblassender Farbe führen. Zu tief eingebrachtes Pigment kann sich im lockereren Gewebe über die gewünschte Linie hinaus verteilen; dieser sichtbare Farbverlauf wird umgangssprachlich Blowout genannt.