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Mythencheck · 4 Minuten

Mythos: Tattoo-Farbe gelangt in die Venen

Die Vorstellung klingt dramatisch: Die Nadel trifft eine Vene und danach fließt Tattoo-Farbe durch den Körper. So funktioniert professionelles Tätowieren jedoch nicht. Gleichzeitig wäre es wissenschaftlich falsch zu behaupten, jedes einzelne Pigmentteilchen bleibe für immer genau an derselben Stelle.

Wie der Mythos entsteht

Beim Tätowieren kann die Haut punktuell bluten. Außerdem enthält die Dermis kleine Blut- und Lymphgefäße. Von außen wirkt es daher schnell so, als würde Farbe direkt in die Blutbahn gespritzt.

Eine Tätowiernadel ist aber keine Injektionsnadel, die Flüssigkeit gezielt in eine Vene abgibt. Sie bewegt sich sehr schnell in die Haut und lagert Pigment überwiegend im Gewebe der Dermis ab.

Was tatsächlich passiert

Der größte sichtbare Anteil des Pigments bleibt in der tätowierten Haut. Immunzellen nehmen Pigmentteilchen auf, und ein Teil wird zwischen Gewebestrukturen festgehalten. Das ist die Grundlage des dauerhaften Motivs.

Ein kleiner Anteil besonders feiner Partikel oder gelöster Bestandteile kann über Lymphwege weitertransportiert werden. Pigmente wurden beispielsweise in regionalen Lymphknoten nachgewiesen. Das ist etwas anderes als die vereinfachte Vorstellung, die gesamte Tattoo-Farbe würde frei durch die Venen fließen.

Die ehrliche Kurzfassung

Nein: Beim normalen Tätowieren wird die Farbe nicht gezielt in Venen injiziert und das Motiv zirkuliert nicht als Farbstrom durch den Körper.

Aber: Nicht jedes Pigmentteilchen bleibt zwingend am ursprünglichen Ort. Forschung zur Verteilung und zu möglichen Langzeitwirkungen entwickelt sich weiter. Deshalb sind hygienisches Arbeiten, geeignete Produkte und die geltenden europäischen Vorgaben für Tattoo-Farben wichtig.